Montag, März 13, 2006

Aktuelle Markteinschätzung Deutschland/Europa März 2006

Mühelos knackt der DAX eine Hundertermarke nach der anderen. Ende Februar wurde die Marke von 5.800 Punkten überschritten, dem höchsten Stand seit Sommer 2001. Positiv ist zu bewerten, dass die Hausse am heimischen Markt nicht nur von einigen Aktien getragen wird. Auch die Nachfrage nach Aktien ist nicht einseitig. Nach den Beobachtungen von Händlern stammen die Käufe derzeit hauptsächlich aus drei Quellen: Großanleger wie Versicherer, amerikanische Investoren und deutsche Privatanleger. Die Versicherer nutzen derzeit jede Kursdelle um ihre niedrige Aktienquote aufzustocken, amerikanische Investoren haben bereits in 2005 mit europäischen Aktien gut verdient und den deutschen Privatanleger hat nun auch wieder das Börsenfieber gepackt.Die kurstreibenden Aktien kommen aus den unterschiedlichsten Branchen. Beinahe täglich wechseln sich die Banken, Versorger und Automobilhersteller an der Spitze der Gewinner im Dax ab. Insbesondere die deutsche Autoindustrie ist gut ins neue Jahr gestartet. Auf dem deutschen Markt wurden im Januar 11% mehr Pkws zugelassen als im Vorjahresmonat. Erfreulich für die deutschen Autobauer ist auch, dass sie ihre Marktanteile gegenüber den Importeuren auf 70% ausbauen konnten. Nachdem VW Chef Pischetsrieder ein Sanierungsprogramm und eine Dividendenerhöhung ankündigte, explodierte der Kurs der VW Aktie innerhalb von 2 Tagen um 15%. Damit war VW die erfolgreichste europäische Standardaktie. Auch die jüngsten europäischen Konjunkturdaten unterstützen den positiven Trend. Frankreichs Industrieunternehmer sind immer besser gelaunt und die am 21.Februar veröffentlichten Zahlen zum privaten Konsum in Frankreich zeichnen ein erfreuliches Bild. Auch die italienischen Verbraucher sehen optimistischer in die Zukunft.Die guten Unternehmensgewinne und Konjunkturdaten bestätigen die Analysten in ihrer Meinung, dass die EZB den Leitzins auf ihrer Sitzung Anfang März erneut anheben wird. Dies wurde durch die Rede von EZB-Chef Trichet vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments untermauert. Er stellte erneut klar, dass die Einhaltung der Inflationsgrenzen durch die Währungshüter oberste Priorität hat. Ein klares Signal für einen Zinsschritt.Kritisch betrachten die Analysten die Berichte der russischen Medien, dass Russland offenbar weitere Teile der Wirtschaft unter staatliche Kontrolle bringen will. In jüngerer Vergangenheit hat die Kritik an den verstärkten staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft Russlands zugenommen. So hatte die Regierung unter anderem die Ölfirma Yukos unter ihre Kontrolle gebracht. Für Aufsehen sorgt nun das zunehmende Engagement des staatlichen Gasmonopolisten beim Strommonopolisten Unified Energy System, das Kritikern zufolge einer beabsichtigten Öffnung des Marktes entgegenläuft. Medienberichten zufolge verstärkt die Regierung auch ihre Kontrolle über die Bodenschätze und den Automobilsektor. Eine Entwicklung die, sollte sie sich bestätigen, internationale Anleger eher verschrecken könnte.Im "alten" Europa setzten sich die Übernahmeversuche fort. Eons Übernahmepläne der spanischen Endesa ragen hier besonders heraus. Kommt diese Transaktion zustande, wäre dies die weltgrößte Übernahme im Energiemarkt und mit einem Gesamtvolumen von ca. 55 Mrd. Euro die bisher teuerste Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland. Die Bereitschaft zu solchen Übernahmen deutet auf eine gute Liquidität bei den Unternehmen und zeigt, warum sich der Aktienmarkt von den bevorstehenden Zinserhöhungen unbeeindruckt zeigt. Gerüchte, das die Spekulationsfrist für private Veräußerungsgeschäfte nicht wie ursprünglich geplant schon ab 1. Januar 2007 fallen soll, verdichteten sich gegen Ende des Monats. Finanzexperten beider Regierungsparteien befürworten eine Verschiebung auf den 1. Januar 2008. Ab 2008 soll für Erträge aus Geldanlage, Wertpapier- und Immobiliengeschäften eine Pauschalsteuer von 20% gelten. Wer bislang Wertpapiere nach einer Frist von 12 Monaten verkaufte, konnte seine Kursgewinne steuerfrei einstreichen. Eine Verschiebung auf 2008 kann einen zusätzlichen Impuls für inländische Anleger bedeuten, da auch ihnen die Möglichkeit auf steuerfreie Erträge winkt.Das Erreichen der Vogelgrippe von Deutschland und Frankreich hat derzeit für den Aktienmarkt eher psychologischen Charakter.Volkswirtschaftlich kann man die Schäden noch vernachlässigen. Dennoch beobachten die Marktteilnehmer die weitere Entwicklung skeptisch. Bei dem hohen Kursniveau in Europa reagieren die Märkte nervöser und es reicht schon ein kleiner Anlass für eine Korrektur.