Montag, August 07, 2006

Markteinschätzung August 2006 Asien

Erstmals seit sechs Jahren hob die Bank of Japan ihren Leitzins von Null auf 0,25% an. Die Ökonomen sind sich einig, dass dies nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer strafferen Zinspolitik war. In ihrer Erklärung schloss die Bank of Japan jedoch weiterhin aggressive Zinssteigerungen aus. Allerdings signalisierte sie den Beginn einer allmählichen schrittweisen Anhebung der Zinsen in Japan. Dies dürfte langfristig auch zu einer Stärkung des Yen gegenüber dem US Dollar führen. In Verbindung mit dem gestiegenen Ölpreis könnte dies negative Auswirkungen auf das Wachstum der stark vom Export abhängigen Wirtschaft haben. Mit Blick auf die negativen Erfahrungen aus der Deflationsspirale sollte die Bank of Japan äußerst behutsam vorgehen. Ein zu schnelles Anheben des japanischen Leitzinses würde die Wirtschaft gleich doppelt treffen. Ein starker Yen belastet die Exporterlöse der Unternehmen und trübt die Gewinnaussichten der Unternehmen erheblich ein. Da gleichzeitig das Konsumentenvertrauen in Japan zum zweiten Mal in Folge abnahm, befürchten Marktbeobachter eine Verstärkung dieses Effekts durch weitere Zurückhaltung der Konsumenten. Dies könnte dazu führen, dass das Land wieder wie Ende der 90er Jahre in die Deflationsspirale geraten könnte. Die japanische Notenbank wird also ein sehr gutes Händchen bei ihren weiteren Entscheidungen brauchen.

Die Zinserhöhung führte erwartungsgemäß zu weiteren Auflösungen von Carry Trades (vgl. Marktbericht Juli 06) in der Region und somit zu Liquiditätsabflüssen an den asiatischen Märkten. Die steigenden Zinsen in den Industrieländern und der Nahost Konflikt lässt die internationalen Anleger vor dem Eingehen neuer Carry Trades zurückschrecken. Dies könnte sich auch in den folgenden Monaten zu einem Belastungsfaktor entwickeln, da es insbesondere spekulative Marktteilnehmer an den asiatischen Börsen fehlen. Verstärkend wirkt sich der Abgabedruck auf die Währungen der Schwellenländer aus. Wie schon in den vergangenen Wochen sollte im nächsten Monat das Devisenangebot die Nachfrage übersteigen und Druck auf die Währungen ausüben