Montag, August 07, 2006

Markteinschätzung August 2006 Deutschland

Deutschland/ Europa
Die europäischen Indices hatten im vergangenen Monat unter den geopolitischen Spannungen zu leiden. Nachdem Nordkorea mit erneuten Raketentests für Unruhe sorgte, kehrte etwas Ruhe ein. Die Investoren hatten den Blick bereits auf den Beginn der Berichtssaison gerichtet, als die Nachricht von Bombenanschlägen in Indien über die Bildschirme lief. Blieben die Einflüsse auf Marktstimmung und Kurse noch sehr begrenzt, sorgte die Eskalation des Konfliktes im Nahen Osten einen Tag später für deutlichere Auswirkungen. Rohöl stieg aufgrund der Bilder aus dem Nahen Osten sehr deutlich im Preis und erreichte mit über 78 US$ für einen Barrel der Sorte WTI ein neues historisches Hoch. Obwohl weder Israel noch der Libanon Öl liefern, fielen die Aktienkurse auf breiter Front. Befürchtungen einer Ausweitung des Konflikts auf Syrien und den Iran ließen Anleger sichere Häfen ansteuern. So fiel der Zins für 10-jährige Anleihen, trotz der Erwartung weiterer Zinsschritte durch die EZB, unter 4%. Der Dax testete die Marke von 5.400 Punkten, bevor die guten Unternehmensdaten den Index wieder auf das Niveau vom Monatsanfang hoben. Den Anfang machte der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck. Der operative Gewinn der Darmstädter hat sich um 24% auf 251,5 Mio. Euro erhöht und konnte damit die Erwartungen der Analysten übertreffen. Das Ergebnis nach Fremdanteilen nahm dank des Sondergewinns aus dem Verkauf der Schering-Beteiligung sogar um satte 113% zu. SAP schockte kurz darauf die Analysten mit ihren vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal. Insbesondere bei den Erlösen aus dem Verkauf von Softwarelizenzen verfehlten die Walldorfer die Erwartungen der Analysten. Dies führte zu einem völlig übertriebenen Einbruch der SAP Aktie von zehn Prozent. Die Übertreibung wurde überdeutlich als SAP den vollständigen Quartalsbericht vorlegte. Die schwächer als erwartet ausgefallenen Softwareumsätzen waren vor allem auf Verzögerungen bei der Bilanzierung der Aufträge zurück zu führen. Nach Bereinigung der Umsätze stieg der Überschuss um 43% auf 414 Mio. Euro. Obwohl die Daten bereinigt wurden und der Vorstand der SAP die Jahresprognose bekräftigt, konnte die Aktie bisher ihre Verluste nicht wieder aufholen. Der sich im Umbau befindliche Autokonzern VW ist mit seiner Sanierung auf einem guten Weg. Im ersten Halbjahr konnte der Wolfsburger Konzern seinen Umsatz weiter ausbauen und schnitt operativ besser als vom Markt erwartet ab.
Auch der Ausblick war besser als von den Analysten erwartet. Unerwartet stark steigerte die Postbank ihren Nettogewinn im zweiten Quartal 2006. Der derzeit heißeste Kandidat für den Aufstieg in den Dax legte trotz einer milliardenschweren Übernahme um mehr als 20% zu. Auch die Eigenkapitalrendite konnte deutlich verbessert werden.
Auch auf europäischer Ebene konnten die Unternehmenszahlen überwiegend die Analysten überzeugen. Die spanische Telefonica konnte einen sprunghaften Anstieg des Nettogewinns im ersten Halbjahr von 1,84 auf 2,57 Milliarden Euro melden. Der Pharma- und Diagnostikkonzern Roche steigerte seinen Gewinn im ersten Halbjahr um 37% auf 4,54 Mrd. Schweizer Franken und erhöhte seine Jahresprognose aufgrund der Margenverbesserung insbesondere in der Pharmasparte. Das fast alle Branchen gut verdienen zeigte gegen Ende des Monats der Luxusgüterhersteller LVMH. Der Hersteller von Dior Parfüm, Louis Vitton Produkten und Moet Champagner konnte seinen Umsatz um mehr als 13% steigern.

Zu den guten Unternehmenszahlen gesellten sich weitere Nachrichten über Übernahmen. Besonders überraschte die Meldung, dass der Handelskonzern Metro das Deutschland- Geschäft des Konkurrenten Wal-Mart übernimmt. Der US-Warenhauskonzern beendet damit sein verlustreiches Engagement auf dem deutschen Markt. Die beiden Konzerne haben sich darauf geeinigt, dass die 85 SB-Warenhäuser von Wal-Mart in Deutschland an Metro gehen. Bei 19 Standorten übernimmt Metro auch das Immobilieneigentum, die übrigen Märkte sind gemietet.

Während die Unternehmenszahlen mehrheitlich überzeugen konnten, senden die Konjunkturindikatoren im Verlauf des Monats keine eindeutigen Signale. Die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen deutlich niedriger als im Vormonat aus. Hierfür wurde insbesondere die Enttäuschung der befragten Finanzexperten über die bisherige Reformpolitik der Bundesregierung angeführt. Insbesondere stießen den Experten die neuen Belastungen für die Bürger auf, ohne dass Reformerfolge erkennbar sind. Einen positiveren Ausblick gaben die durch das ifo-Institut befragten Unternehmen. Zwar ist der ifo-Index leicht gefallen, dies wurde allerdings nach dem rasanten Anstieg im Juni auf ein 15 Jahreshoch erwartet. Das Institut betonte, dass dieser leichte Rückgang keine konjunkturelle Trendwende bedeutet. Die positive Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft sei weiterhin aufwärts gerichtet. Insgesamt zeichnete sich aus den im Juli veröffentlichten Konjunkturdaten ein positives Bild für die europäischen Aktienmärkte, während die Rentenmärkte weiter unter den bevorstehenden Zinserhöhungen leiden werden. In der ersten Augustwoche steuert die Berichtssaison ihrem Höhepunkt entgegen. Zwölf der 30 Dax-Unternehmen legen ihre Ergebnisse vor, darunter Deutsche Bank AG, Metro, der Autobauer BMW und die Münchner Rück. Da die Zahlen ähnlich gut ausfallen sollten wie in den vergangenen Wochen, könnte der Dax weiter zulegen.