Mittwoch, September 06, 2006

Markteinschätzung September 2006 Amerika USA

Die US-Notenbank FED hat den Erwartungen entsprechend eine Zinspause eingelegt. Der Offenmarktausschuss ließ den Leitzins unverändert auf 5,25% für Tagesgeld. Die FED hält die Märkte allerdings weiter unter Spannung. Zwar hat sich Ben Bernanke dafür ausgesprochen, vorerst nicht weiter an der Zinsschraube zu drehen, allerdings teilte der Ausschuss auch mit, dass einige Inflationsrisiken weiter bestehen und er in einer der nächsten Sitzungen den Leitzins wieder erhöhen könnte. Zwar sieht die FED, das sich das Wachstum nach dem recht hohen Tempo zu Beginn des Jahres gemildert hat, allerdings verwies sie auch darauf, dass die hohen Preise für Energie und andere Rohstoffe das Potenzial haben, den Inflationsdruck aufrecht zu halten. So blieb ein Aufatmen der Finanzmärkte erstmal aus. Die Konjunktur- und Inflationsdaten werden nun noch stärker als bisher im Fokus der Märkte stehen, da die Zinsspekulationen weiterhin anhalten. Dies sorgte, wie auch die laufende Berichtsaison, für Bewegung im Verlauf des Augusts. Wie auch in Europa ging die Berichtsaison weitgehend überzeugend zu Ende. So meldete z.B. der Netzwerkkonzern Cisco Systems einen Umsatzanstieg im vierten Geschäftsquartal von 21%. Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, Hersteller unter anderem von Pampers Windeln, präsentierte einen Gewinnsprung von 36% im vierten Quartal seines Geschäftsjahres. Ursächlich war hierfür eine Reihe von erfolgreichen Produkteinführungen. Ebenfalls ein zweistelliges Ergebnis meldete der US Versicherer Cigna. Gute Nachrichten kamen von dem Medienkonzern Time Warner, der die Rückkehr in die Gewinnzone vermelden konnte. Auch die Technologiebranche meldete unter anderem mit dem Softwarehersteller Adobe gute Zahlen, der seine Prognose für das laufende Quartal bekräftigt hat. Leider gab es jedoch auch negative Meldungen, die die Indizes bremsten. So musste Ford erneut nach unten korrigieren. Auch General Motors konnte mit den vorgelegten Zahlen nicht überzeugen. Die großen US-Automobilhersteller erlitten im Jahresvergleich drastische Absatzrückschläge. Eine Folge der ausufernden Rabatte im Juli 2005, die damals für kräftige Absatzzuwächse gesorgt hatten. Im vergangenen Jahr hatten die US-Konzerne zu massiven Kaufanreizen gegriffen, als die Verkäufe in ihrem wichtigsten Geschäftsfeld Geländewagen wegen der hohen Spritpreise zu bröckeln anfingen.

Krisenstimmung auch bei den Computerherstellern Dell und Apple. Dell musste im vergangenen Quartal einen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte hinnehmen. Gleichzeitig ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC wegen Auffälligkeiten in der Bilanz. Als wäre dies noch nicht genug, musste Dell dann auch noch ca. 4,1 Millionen Laptop-Batterien zurückrufen, da eine Überhitzung der Batterien des Herstellers Sony zu Bränden führen könnte. Auch Apple musste aus demselben Grund 3,9 Millionen Laptops zurückrufen. Das Apple ebenfalls unter Prüfung der SEC steht, brachte auch die zuletzt stark gestiegenen Apple-Papiere unter erheblichen Druck. Investoren reagierten geschockt auf die Nachricht, dass Apple wahrscheinlich seine Gewinne revidieren muss und die Vorlage des aktuellen Quartalsberichts verschoben hat. Apple ist eine der prominentesten Technologiefirmen, die bislang in den Strudel des Skandals um Aktienoptionen geraten sind. Die US-Börsenaufssicht SEC prüft derzeit bei mehr als 80 Firmen, ob die Unternehmen ihren Führungskräften Aktienoptionen zu manipulierten Preisen überließen. Eine Option gewährt dem Besitzer das Recht, die Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Es handelt sich üblicherweise um den Kurs am Tag der Optionsgewährung. Steigen die Kurse der unterlegten Aktie anschließend, kann der Optionsbesitzer sie verkaufen und die Differenz zu dem niedrigeren Ausgabekurs als Gewinn einstecken. Amerikanische Unternehmen nutzen diese Optionen, ähnlich der Belegschaftsaktie in Deutschland, um Ihre Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden.

Insgesamt ging jedoch auch in den USA die Berichtsaison sehr positiv zu Ende und die US Indizes konnten den Monat mit einem ansehnlichen Plus beenden. Hierfür sorgten auch die gegen Ende August veröffentlichten Konjunkturdaten, die auf eine weiche Landung der US Konjunktur deuten und die Zinsängste etwas beruhigten. So stiegen die Verbraucherpreise in den USA, ohne Berücksichtigung der Energiepreise, lediglich um 0,2%, die niedrigste Rate seit Februar. Rückläufige Baugenehmigungen und Verkäufe bestehender Häuser lassen weiterhin ein Abkühlen der US Wirtschaft erkennen, geben allerdings keinerlei Hinweise auf die von einigen wenigen Experten befürchtete harte Landung.