DAX Deutschland Europa Oktober 2006
Nach einem verhaltenen Start in den Monat September gab der Dax im Verlauf des Monats seine Richtungslosigkeit auf und schaffte Ende des Monats wieder den Sprung über die Marke von 6000 Punkten. Ausschlaggebend hierfür waren insbesondere die gemeldeten Konjunkturdaten, die ein positives Licht auf die Prognosen warfen. So stiegen die Exporte deutscher Unternehmen im Juli kräftig an und überraschten die Volkswirte, die mit einer leichten Abkühlung gerechnet hatten. Die aktuellen Daten für die Produktion und Aufträge in der Industrie zeigen weiterhin eine starke Unterstützung für das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland. Dies zeigt sich auch im Rückgang der Unternehmensinsolvenzen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland um 15% gesunken. Beeindruckt von der Konjunkturentwicklung in Deutschland hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für die Bundesrepublik kräftig um ca. 30% angehoben. Mit 2,0 Prozent Wachstum liegt Deutschland nach der IWF-Prognose immer noch am unteren Rand der Industrieländer. Da die Exporte sehr gut laufen und die Investitionen weiter an Fahrt gewinnen, sollte sich das Wachstumspotential weiter erhöhen. Diese positive Stimmung konnte auch der überraschend stark gefallene ZEW-Index nur kurz trüben. Mit dem erneuten Rückgang fiel der aus einer Umfrage unter 300 Analysten und institutionellen Anlegern ermittelte Indikator auf den tiefsten Stand seit 1999. Ausschlaggebend für diesen Rückgang sind laut ZEW-Institut die möglichen Folgen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung und der damit verbundene Kaufkraftentzug.
Die Bekanntgabe ifo-Geschäftsklimaindex hat die Zuversicht der Anleger dann wieder verstärkt, dass sich die Wirtschaft weniger dramatisch abkühlen wird als von den befragten Analysten des ZEW unterstellt. Die für diesen Index befragten 7000 Unternehmen sehen ihre derzeitige Situation bei weitem nicht so schlecht wie kurz zuvor im ZEW Index unterstellt und auch die Erwartungskomponente trübte sich zwar etwas ein, jedoch bei weitem nicht so stark wie von den im Vorfeld befragten Analysten erwartet. Der nachgebende Ölpreis gab den letzten notwendigen Impuls für die steigenden Kurse. Insbesondere die Chemie- und Pharmakonzerne profitierten von dem sinkenden Ölpreis, da ca. 60% der Kosten dieser Branche durch Öl verursacht werden. Diese Branche dominierte auch die Nachrichten im Bereich der Firmenübernahmen, Teilverkäufen und Zusammenschlüssen an. Schwarz Pharma einigte sich mit dem belgischen Wettbewerber UCB auf eine Übernahme. Altana verkauft seine Arzneimittelsparte an den dänischen Pharmakonzern Nycomed mit einem Nettoertrag von über 4 Milliarden Euro. Der Erlös aus der Transaktion wird auf Wunsch der Mehrheitseigner in Form einer Sonderdividende ausgeschüttet. Dies hat zur Folge, dass der Börsenwert von Altana so stark sinken wird, dass der Wert seinen Platz im Dax verlieren könnte. Als Ersatz wird erneut der Pharma und Spezialchemiekonzern Merck gehandelt. Der Konzern hatte sich bei der letzten Indexneuorientierung bis zuletzt ein spannendes Rennen mit der Postbank um einen Platz im Dax geliefert, der durch die Übernahme von Schering durch Bayer frei geworden war. Übernahmegerüchte trieben den Umsatz mit Postbank-Aktien aber letztlich so stark an, dass die Postbank und nicht Merck in die erste Börsenliga aufrücken durfte. Durch die Übernahme des schweizerischen Biotechkonzern Serono wird Merck nicht nur zur Nummer Eins der Biotechbranche in Europa, sondern gilt nun als sicherer Aspirant auf den freiwerdenden Platz im Dax.
Der Oktober wird ebenso wie der September verhalten starten. Durch den Feiertag am 3. Oktober und die bevorstehende EZB Zinsentscheidung dürften sich die Anleger mit neuen Engagements zurück halten. Während der Zinsschritt erneut als ausgemachte Sache gilt, werden die Kommentare bezüglich des weiteren Vorgehens der EZB mit Spannung erwartet. Mit Blick auf die jüngsten Konjunktur- und Inflationsdaten aus Europa erwarten wir, dass die EZB sich weitere Zinsschritte offen halten wird und bis Jahresende einen weiteren Zinsschritt folgen lassen wird.

<< Home