Mittwoch, September 06, 2006

Markteinschätzung Finanzen September 2006 Welt Global

Die geopolitischen Risiken und der daraus resultierende zeitweise höhere Ölpreis gaben den globalen Aktienmärkten Anfang des Monats die Richtung vor. Nachdem sich der Nahe Osten etwas beruhigt hatte, fiel im Verlauf des Monats der Ölpreis auf ca. 70 US$ und ermöglichte den Leitindizes ansehnliche Zuwächse zum Monatsende. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Lehmann Bros bei 300 Ölfirmen, wollen die Unternehmen rund 261 Mrd. US Dollar in neue Förder- und Transportanlagen investieren und damit 20% mehr als in 2005. Dabei gehen die Unternehmen von einem durchschnittlichen Rohölpreis von ca. 55 US Dollar je Barrel aus, das sind rund 21% weniger als der aktuelle Preis. Für einen niedrigeren Ölpreis spricht auch die Mitteilung der OPEC, dass sie ihre Erwartungen für die Ölnachfrage senkte und die Nachricht, dass die Rohöllagerbestände in den USA unerwartet stark gestiegen sind. Für Unruhe könnte im Verlauf des Monats September der anhaltende Atomstreit mit dem Iran sorgen. Mit dem abgelaufenen Ultimatum ist nun die Weltgemeinschaft unter Zugzwang. Sich auf eine Vorgehensweise zu einigen, scheint derzeit aufgrund der unterschiedlichen Interessen der beteiligten Parteien ein schier unmögliches Unterfangen. Beruhigend ist jedoch, dass bisher eine militärische Reaktion ausgeschlossen ist. Sicher scheint nur, dass uns dieses Thema über die nächsten Monate begleiten wird.

Markteinschätzung September 2006 Asien

Gegensätzliche Meldungen bestimmten im Verlauf die asiatischen Märkte. Während Toyota einen Gewinnsprung von 40% vermelden konnte, muss Sony mit möglichen Kosten in Höhe von ca. 400 Mio. US Dollar rechnen. Dies überschattet die positiven Unternehmensdaten, die Sony vermelden konnte. Erstmalig nach vier Verlustquartalen konnte das Unternehmen ein positives Ergebnis vermelden. Auch aus den anderen Sektoren gab es stark unterschiedliche Meldungen, so dass der Nikkei sich im August erstmals seitwärts bewegte, bevor er zum Ende des Monats doch noch die 16.000 Punkte Marke überschreiten konnte. Wie auch in den anderen Standardmärkten ging die Berichtsaison in Japan zu Ende und die Konjunkturdaten rücken wieder stärker in den Vordergrund. Die japanische Industrieproduktion ist im Juli überraschend gefallen. Wie das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) mitteilte, sank die industrielle Erzeugung gegenüber dem Vormonat um 0,9%. Volkswirte hatten dagegen einen Anstieg um 0,7% erwartet. Im Jahresabstand stieg die Produktion um 5,1%. Die Auslieferungen sanken im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,6% und die Lagerbestände um 1,0%. Die großen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes rechnen für August mit einem Produktionszuwachs von 4,2%, gefolgt von einem Rückgang um 1,4% im September. Das METI ließ seine Einschätzung der Industrieproduktion unverändert. Die japanischen Kfz-Exporte haben dagegen im Juli um 20,5% über dem Vorjahresniveau gelegen. Es handelt sich um den zwölften Anstieg in Folge. Insgesamt wächst die japanische Wirtschaft seit 50 Monaten ununterbrochen, das ist der längste Aufschwung seit dem Zweiten Weltkrieg. Eine zyklische Pause wäre daher nicht verwunderlich und eine Herbstrallye ist kaum zu erwarten.

Markteinschätzung September 2006 Amerika USA

Die US-Notenbank FED hat den Erwartungen entsprechend eine Zinspause eingelegt. Der Offenmarktausschuss ließ den Leitzins unverändert auf 5,25% für Tagesgeld. Die FED hält die Märkte allerdings weiter unter Spannung. Zwar hat sich Ben Bernanke dafür ausgesprochen, vorerst nicht weiter an der Zinsschraube zu drehen, allerdings teilte der Ausschuss auch mit, dass einige Inflationsrisiken weiter bestehen und er in einer der nächsten Sitzungen den Leitzins wieder erhöhen könnte. Zwar sieht die FED, das sich das Wachstum nach dem recht hohen Tempo zu Beginn des Jahres gemildert hat, allerdings verwies sie auch darauf, dass die hohen Preise für Energie und andere Rohstoffe das Potenzial haben, den Inflationsdruck aufrecht zu halten. So blieb ein Aufatmen der Finanzmärkte erstmal aus. Die Konjunktur- und Inflationsdaten werden nun noch stärker als bisher im Fokus der Märkte stehen, da die Zinsspekulationen weiterhin anhalten. Dies sorgte, wie auch die laufende Berichtsaison, für Bewegung im Verlauf des Augusts. Wie auch in Europa ging die Berichtsaison weitgehend überzeugend zu Ende. So meldete z.B. der Netzwerkkonzern Cisco Systems einen Umsatzanstieg im vierten Geschäftsquartal von 21%. Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, Hersteller unter anderem von Pampers Windeln, präsentierte einen Gewinnsprung von 36% im vierten Quartal seines Geschäftsjahres. Ursächlich war hierfür eine Reihe von erfolgreichen Produkteinführungen. Ebenfalls ein zweistelliges Ergebnis meldete der US Versicherer Cigna. Gute Nachrichten kamen von dem Medienkonzern Time Warner, der die Rückkehr in die Gewinnzone vermelden konnte. Auch die Technologiebranche meldete unter anderem mit dem Softwarehersteller Adobe gute Zahlen, der seine Prognose für das laufende Quartal bekräftigt hat. Leider gab es jedoch auch negative Meldungen, die die Indizes bremsten. So musste Ford erneut nach unten korrigieren. Auch General Motors konnte mit den vorgelegten Zahlen nicht überzeugen. Die großen US-Automobilhersteller erlitten im Jahresvergleich drastische Absatzrückschläge. Eine Folge der ausufernden Rabatte im Juli 2005, die damals für kräftige Absatzzuwächse gesorgt hatten. Im vergangenen Jahr hatten die US-Konzerne zu massiven Kaufanreizen gegriffen, als die Verkäufe in ihrem wichtigsten Geschäftsfeld Geländewagen wegen der hohen Spritpreise zu bröckeln anfingen.

Krisenstimmung auch bei den Computerherstellern Dell und Apple. Dell musste im vergangenen Quartal einen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte hinnehmen. Gleichzeitig ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC wegen Auffälligkeiten in der Bilanz. Als wäre dies noch nicht genug, musste Dell dann auch noch ca. 4,1 Millionen Laptop-Batterien zurückrufen, da eine Überhitzung der Batterien des Herstellers Sony zu Bränden führen könnte. Auch Apple musste aus demselben Grund 3,9 Millionen Laptops zurückrufen. Das Apple ebenfalls unter Prüfung der SEC steht, brachte auch die zuletzt stark gestiegenen Apple-Papiere unter erheblichen Druck. Investoren reagierten geschockt auf die Nachricht, dass Apple wahrscheinlich seine Gewinne revidieren muss und die Vorlage des aktuellen Quartalsberichts verschoben hat. Apple ist eine der prominentesten Technologiefirmen, die bislang in den Strudel des Skandals um Aktienoptionen geraten sind. Die US-Börsenaufssicht SEC prüft derzeit bei mehr als 80 Firmen, ob die Unternehmen ihren Führungskräften Aktienoptionen zu manipulierten Preisen überließen. Eine Option gewährt dem Besitzer das Recht, die Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Es handelt sich üblicherweise um den Kurs am Tag der Optionsgewährung. Steigen die Kurse der unterlegten Aktie anschließend, kann der Optionsbesitzer sie verkaufen und die Differenz zu dem niedrigeren Ausgabekurs als Gewinn einstecken. Amerikanische Unternehmen nutzen diese Optionen, ähnlich der Belegschaftsaktie in Deutschland, um Ihre Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden.

Insgesamt ging jedoch auch in den USA die Berichtsaison sehr positiv zu Ende und die US Indizes konnten den Monat mit einem ansehnlichen Plus beenden. Hierfür sorgten auch die gegen Ende August veröffentlichten Konjunkturdaten, die auf eine weiche Landung der US Konjunktur deuten und die Zinsängste etwas beruhigten. So stiegen die Verbraucherpreise in den USA, ohne Berücksichtigung der Energiepreise, lediglich um 0,2%, die niedrigste Rate seit Februar. Rückläufige Baugenehmigungen und Verkäufe bestehender Häuser lassen weiterhin ein Abkühlen der US Wirtschaft erkennen, geben allerdings keinerlei Hinweise auf die von einigen wenigen Experten befürchtete harte Landung.

Markteinschätzung September 2006 Deutschland/Europa

Das Thema Terror ist zurück. Die vereitelten Anschläge in London verunsicherten die Anleger. Allerdings waren die Kursreaktionen an den Börsen vergleichsweise verhalten, weil Anleger und Händler nach den zurückliegenden Attentaten in Madrid und London erkannt haben, dass Terrormeldungen die Märkte nur kurzeitig belasten. Auch die fehlgeschlagenen Anschläge auf deutsche Züge konnten die Börsen nicht belasten. Schnell traten die Wirtschaftsdaten wieder in den Vordergrund.

Es war keine große Überraschung, als die EZB den Leitzins auf 3% erhöhte. Überraschend deutete der Rat jedoch deutlich an, dass es kurzfristig weiter aufwärts geht. Mit steigenden Leitzinsen will die EZB den Preisauftrieb dämpfen. Sie sieht die Inflationsgefahr insbesondere wegen der hohen Energiepreisen, der besseren Konjunktur und bevorstehender Steuererhöhungen steigen. Der Kommentar nach der Sitzung enthielt Schlüsselworte, die an den Finanzmärkten als klares Zeichen für weitere Zinserhöhungen gewertet werden. So sagte der Vorsitzende der EZB Trichet: "Wir werden weiter alle Entwicklungen sehr eingehend beobachten, um die Preisstabilität zu sichern.". Bisher hat die EZB nach Benutzung der Formulierung "sehr eingehend beobachten" den Leitzins in der übernächsten Sitzung erhöht. Ein weiteres Indiz für unsere Annahme, dass der Leitzins zum Jahreswechsel bei 3,5% sein wird. Im Anschluss an die Zinsentscheidung der EZB schwächelten die europäischen Aktienmärkte. Entscheidender Faktor war jedoch weniger die erwartete EZB-Entscheidung als vielmehr die überraschende Leitzinserhöhung der Bank of England (BoE). Direkt vor der EZB-Pressekonferenz hat die britische Notenbank zum ersten Mal seit einem Jahr auf 4,75% erhöht. Ausschlaggebend für diesen Schritt war auch die in England anhaltend hohe Inflationsrate. Die verstärkten Inflationssignale aus England deuteten die Mehrheit der Analysten als negatives Vorzeichen für die Zinspolitik der US-Notenbank und der EZB.

Schnell traten die Unternehmenszahlen wieder in den Vordergrund. Obwohl die Messlatte von den Analysten sehr hoch gelegt war, haben die Blue Chips die Erwartungen insgesamt einmal mehr übertroffen. Sechs Wochen lang hielten Deutschlands Großkonzerne die Investoren und Analysten mit einer wahren Zahlenflut in Atem. Ein Highlight waren die deutschen Autobauer. Während die großen US-Autohersteller drastische Absatzrückschläge von bis zu 30% hinnehmen mussten, trotzten die deutschen Autobauer diesem Trend am größten und damit wichtigsten Markt für die Autohersteller. Insbesondere Porsche und VW überraschten die Finanzexperten. Porsche erreichte einen Absatzrekord in Nordamerika mit 36.669 Fahrzeugen, was einem Anstieg von 7% entspricht. Die guten Absatzzahlen in den USA und die Absicherung gegen den Dollar-Verfall bis 2009 sorgen dafür, dass auch im Geschäftsjahr 2005/06 Porsche der weltweit profitabelste Autobauer bleibt. Seit nunmehr 11 Jahren konnte das Unternehmen mit jeweils mehr Gewinn als im Vorjahr abschließen. VW fährt in den USA weiter auf Erholungskurs und konnte die Absatzzahlen im amerikanischen Markt erneut ausbauen, Die guten Absatzzahlen in den USA sorgten auch dafür, dass BMW im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn weiter ausbauen und ebenfalls die Markterwartungen übertreffen konnte.

Aber auch die anderen Sektoren konnten weitgehend überzeugen. Die europäische Chemie- und Pharmabranche konnte ihre Gewinne erneut ausbauen. Zwar litt im 2. Quartal z.B. der BASF Konzern unter dem hohen Ölpreis, konnte aber den operativen Gewinn erneut steigern. Auch Altana lag über den Markterwartungen und bekräftigte seine Gesamtjahresprognose. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis hob ebenfalls nach guten Zahlen seine Prognose für das Gesamtjahr an. Trotz der guten Zahlen steht das Unternehmen wegen des Vorwurfs unerlaubter Preisabsprachen unter Druck.

Dem guten Zahlenreigen wollte die Finanzbranche nicht nachstehen. Der Allianzkonzern hat nach einem hervorragenden zweiten Quartal seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr deutlich angehoben. Das operative Ergebnis erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um satte 19% auf annähernd 2,8 Milliarden Euro. Noch spektakulärer entwickelte sich der Gewinn mit einem Plus von 64% auf etwa 2,3 Milliarden Euro, worin die Kosten der Restrukturierung des deutschen Versicherungsgeschäfts laut Aussage des Konzerns bereits enthalten sind. Für Aufsehen sorgte Ende August das Gerücht, dass der US-Versicherer AIG an einer Übernahme der Allianz interessiert sei. Kartellrechtlich dürfte es kaum Probleme geben, da AIG bisher kaum in Europa tätig ist. Wie gewohnt äußerten sich beide Konzerne zu der Spekulation bisher nicht, jedoch weckte sie Phantasien am Markt. Analysten zeigen sich bisher skeptisch und warten die weitere Entwicklung erstmal ab.Auch die größte französische Bank BNP Paribas hat im zweiten Quartal Ertrag und Gewinn deutlich gesteigert. Unter dem Strich verdiente die Bank rund 30,6% mehr als ein Jahr zuvor. Dem steht die Deutsche Bank kaum nach. Mit einem Anstieg des Konzerngewinns um 29% untermauerte sie erneut ihre Spitzenposition unter den deutschen Kreditinstituten.

Während die meisten Quartalszahlen überzeugten, musste die Deutsche Telekom ihre Prognosen in allen drei Geschäftsfeldern erheblich nach unten korrigieren. In Deutschland erwartet das Unternehmen mittlerweile überhaupt kein Wachstum mehr. Branchenexperten hatten zwar schon länger prophezeit, dass die Deutsche Telekom ihre Prognosen nicht einhalten könnte, wurden allerdings von dem Ausmaß der Korrektur überrascht. Für die Anteilseigner der einstigen Volksaktie ein weiterer Vertrauensverlust. Wie das Unternehmen das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen will, bleibt abzuwarten.

Insgesamt hat die Berichtsaison überzeugt und sorgte dafür, dass die europäischen Börsen positiv den Monat beenden konnten. So konnte der DAX im Verlauf des Monats 5% zulegen.

Mit Abschluss der Berichtsaison stehen nun wieder die makroöko- nomischen Daten im Vordergrund. Den Anfang machte der ZEW Index, der erheblich einbrach. Der negative Effekt wurde allerdings sehr schnell durch einen robusten ifo-Geschäfsklimaindex neutralisiert. Hinzu kamen die jüngsten Wachstumszahlen. Eine extrem gute Nachricht für Deutschland. Die deutsche Wirtschaft ist nicht nur im zweiten Quartal so stark gewachsen wie seit Anfang 2001 nicht mehr, auch die Daten der Vorquartale wurden kräftig nach oben revidiert. Dank der stärkeren Dynamik ist es fast schon ausgemacht, dass sich für das Gesamtjahr ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent und mehr ergibt. Dies ist deutlich mehr als bislang die Analysten wahrhaben wollten. Insbesondere das langjährige Sorgenkind, die Baubranche, legte kräftig zu. Auch die bisherigen Daten zum Bruttoinlandsprodukt stimmen positiv. Sie zeigen, dass Deutschland zu einem Aufschwung in der Lage ist, der zumindest nach einer gewissen Zeit aus der Binnennachfrage gespeist wird. Dies erhöht die Chancen, dass die von einigen Finanzökonomen erwartete Wachstumsverlangsamung in den USA verhältnismäßig unbeschadet überstanden wird. Auch die konjunkturellen Daten aus den andren europäischen Ländern fallen sehr gut aus. Die Niederlande, Spanien und Frankreich veröffentlichten gute Zahlen. Das Wachstum in der Euro-Zone scheint zunehmend von den steigenden Unternehmensinvestitionen und der Stabilisierung des Arbeitsmarktes getragen zu sein. Die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone ist zwischen Dezember 2005 und Juni 2006 immerhin um 0,5 Prozentpunkte auf zuletzt 7,8% gesunken. Eine weitere positive Entwicklung des Arbeitsmarktes sollte sich auch positiv auf die Konsumausgaben auswirken.