Das Thema Terror ist zurück. Die vereitelten Anschläge in London verunsicherten die Anleger. Allerdings waren die Kursreaktionen an den Börsen vergleichsweise verhalten, weil Anleger und Händler nach den zurückliegenden Attentaten in Madrid und London erkannt haben, dass Terrormeldungen die Märkte nur kurzeitig belasten. Auch die fehlgeschlagenen Anschläge auf deutsche Züge konnten die Börsen nicht belasten. Schnell traten die Wirtschaftsdaten wieder in den Vordergrund.
Es war keine große Überraschung, als die EZB den Leitzins auf 3% erhöhte. Überraschend deutete der Rat jedoch deutlich an, dass es kurzfristig weiter aufwärts geht. Mit steigenden Leitzinsen will die EZB den Preisauftrieb dämpfen. Sie sieht die Inflationsgefahr insbesondere wegen der hohen Energiepreisen, der besseren Konjunktur und bevorstehender Steuererhöhungen steigen. Der Kommentar nach der Sitzung enthielt Schlüsselworte, die an den Finanzmärkten als klares Zeichen für weitere Zinserhöhungen gewertet werden. So sagte der Vorsitzende der EZB Trichet: "Wir werden weiter alle Entwicklungen sehr eingehend beobachten, um die Preisstabilität zu sichern.". Bisher hat die EZB nach Benutzung der Formulierung "sehr eingehend beobachten" den Leitzins in der übernächsten Sitzung erhöht. Ein weiteres Indiz für unsere Annahme, dass der Leitzins zum Jahreswechsel bei 3,5% sein wird. Im Anschluss an die Zinsentscheidung der EZB schwächelten die europäischen Aktienmärkte. Entscheidender Faktor war jedoch weniger die erwartete EZB-Entscheidung als vielmehr die überraschende Leitzinserhöhung der Bank of England (BoE). Direkt vor der EZB-Pressekonferenz hat die britische Notenbank zum ersten Mal seit einem Jahr auf 4,75% erhöht. Ausschlaggebend für diesen Schritt war auch die in England anhaltend hohe Inflationsrate. Die verstärkten Inflationssignale aus England deuteten die Mehrheit der Analysten als negatives Vorzeichen für die Zinspolitik der US-Notenbank und der EZB.
Schnell traten die Unternehmenszahlen wieder in den Vordergrund. Obwohl die Messlatte von den Analysten sehr hoch gelegt war, haben die Blue Chips die Erwartungen insgesamt einmal mehr übertroffen. Sechs Wochen lang hielten Deutschlands Großkonzerne die Investoren und Analysten mit einer wahren Zahlenflut in Atem. Ein Highlight waren die deutschen Autobauer. Während die großen US-Autohersteller drastische Absatzrückschläge von bis zu 30% hinnehmen mussten, trotzten die deutschen Autobauer diesem Trend am größten und damit wichtigsten Markt für die Autohersteller. Insbesondere Porsche und VW überraschten die Finanzexperten. Porsche erreichte einen Absatzrekord in Nordamerika mit 36.669 Fahrzeugen, was einem Anstieg von 7% entspricht. Die guten Absatzzahlen in den USA und die Absicherung gegen den Dollar-Verfall bis 2009 sorgen dafür, dass auch im Geschäftsjahr 2005/06 Porsche der weltweit profitabelste Autobauer bleibt. Seit nunmehr 11 Jahren konnte das Unternehmen mit jeweils mehr Gewinn als im Vorjahr abschließen. VW fährt in den USA weiter auf Erholungskurs und konnte die Absatzzahlen im amerikanischen Markt erneut ausbauen, Die guten Absatzzahlen in den USA sorgten auch dafür, dass BMW im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn weiter ausbauen und ebenfalls die Markterwartungen übertreffen konnte.
Aber auch die anderen Sektoren konnten weitgehend überzeugen. Die europäische Chemie- und Pharmabranche konnte ihre Gewinne erneut ausbauen. Zwar litt im 2. Quartal z.B. der BASF Konzern unter dem hohen Ölpreis, konnte aber den operativen Gewinn erneut steigern. Auch Altana lag über den Markterwartungen und bekräftigte seine Gesamtjahresprognose. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis hob ebenfalls nach guten Zahlen seine Prognose für das Gesamtjahr an. Trotz der guten Zahlen steht das Unternehmen wegen des Vorwurfs unerlaubter Preisabsprachen unter Druck.
Dem guten Zahlenreigen wollte die Finanzbranche nicht nachstehen. Der Allianzkonzern hat nach einem hervorragenden zweiten Quartal seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr deutlich angehoben. Das operative Ergebnis erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um satte 19% auf annähernd 2,8 Milliarden Euro. Noch spektakulärer entwickelte sich der Gewinn mit einem Plus von 64% auf etwa 2,3 Milliarden Euro, worin die Kosten der Restrukturierung des deutschen Versicherungsgeschäfts laut Aussage des Konzerns bereits enthalten sind. Für Aufsehen sorgte Ende August das Gerücht, dass der US-Versicherer AIG an einer Übernahme der Allianz interessiert sei. Kartellrechtlich dürfte es kaum Probleme geben, da AIG bisher kaum in Europa tätig ist. Wie gewohnt äußerten sich beide Konzerne zu der Spekulation bisher nicht, jedoch weckte sie Phantasien am Markt. Analysten zeigen sich bisher skeptisch und warten die weitere Entwicklung erstmal ab.Auch die größte französische Bank BNP Paribas hat im zweiten Quartal Ertrag und Gewinn deutlich gesteigert. Unter dem Strich verdiente die Bank rund 30,6% mehr als ein Jahr zuvor. Dem steht die Deutsche Bank kaum nach. Mit einem Anstieg des Konzerngewinns um 29% untermauerte sie erneut ihre Spitzenposition unter den deutschen Kreditinstituten.
Während die meisten Quartalszahlen überzeugten, musste die Deutsche Telekom ihre Prognosen in allen drei Geschäftsfeldern erheblich nach unten korrigieren. In Deutschland erwartet das Unternehmen mittlerweile überhaupt kein Wachstum mehr. Branchenexperten hatten zwar schon länger prophezeit, dass die Deutsche Telekom ihre Prognosen nicht einhalten könnte, wurden allerdings von dem Ausmaß der Korrektur überrascht. Für die Anteilseigner der einstigen Volksaktie ein weiterer Vertrauensverlust. Wie das Unternehmen das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen will, bleibt abzuwarten.
Insgesamt hat die Berichtsaison überzeugt und sorgte dafür, dass die europäischen Börsen positiv den Monat beenden konnten. So konnte der DAX im Verlauf des Monats 5% zulegen.
Mit Abschluss der Berichtsaison stehen nun wieder die makroöko- nomischen Daten im Vordergrund. Den Anfang machte der ZEW Index, der erheblich einbrach. Der negative Effekt wurde allerdings sehr schnell durch einen robusten ifo-Geschäfsklimaindex neutralisiert. Hinzu kamen die jüngsten Wachstumszahlen. Eine extrem gute Nachricht für Deutschland. Die deutsche Wirtschaft ist nicht nur im zweiten Quartal so stark gewachsen wie seit Anfang 2001 nicht mehr, auch die Daten der Vorquartale wurden kräftig nach oben revidiert. Dank der stärkeren Dynamik ist es fast schon ausgemacht, dass sich für das Gesamtjahr ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent und mehr ergibt. Dies ist deutlich mehr als bislang die Analysten wahrhaben wollten. Insbesondere das langjährige Sorgenkind, die Baubranche, legte kräftig zu. Auch die bisherigen Daten zum Bruttoinlandsprodukt stimmen positiv. Sie zeigen, dass Deutschland zu einem Aufschwung in der Lage ist, der zumindest nach einer gewissen Zeit aus der Binnennachfrage gespeist wird. Dies erhöht die Chancen, dass die von einigen Finanzökonomen erwartete Wachstumsverlangsamung in den USA verhältnismäßig unbeschadet überstanden wird. Auch die konjunkturellen Daten aus den andren europäischen Ländern fallen sehr gut aus. Die Niederlande, Spanien und Frankreich veröffentlichten gute Zahlen. Das Wachstum in der Euro-Zone scheint zunehmend von den steigenden Unternehmensinvestitionen und der Stabilisierung des Arbeitsmarktes getragen zu sein. Die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone ist zwischen Dezember 2005 und Juni 2006 immerhin um 0,5 Prozentpunkte auf zuletzt 7,8% gesunken. Eine weitere positive Entwicklung des Arbeitsmarktes sollte sich auch positiv auf die Konsumausgaben auswirken.