Mittwoch, November 08, 2006

Pannenstory bei Sony nimmt kein Ende

Unruhe brachte der nordkoreanische Nukleartest in die internationalen Aktienmärkte. Es zeigte sich jedoch, dass politische Börsenbewegungen kurze Beine haben. Belastete die Situation die asiatischen Märkte fast den gesamten Monat, traten die Unternehmenszahlen in den anderen Regionen in den Vordergrund. Allmählich beruhigten sich allerdings auch hier die Gemüter und man konzentrierte sich wieder auf die Wirtschaftsdaten. Obwohl die Unternehmenszahlen etwas durchwachsener waren als in den USA und Europa, konnten die Ergebnisse mehrheitlich auch hier überzeugen. Wenig überraschend waren die Zahlen von Sony. Der von der Akku-Krise gebeutelte Elektronikkonzern musste eine Halbierung des Unternehmensgewinns vermelden und senkte gleichzeitig die Gewinnerwartung für das laufende Jahr. Als sollte das noch nicht reichen, meldete man kurz darauf den Rückruf von weiteren schadhafter Akkus. Insgesamt meldete Sony den Rückruf von mehr als 250.000 Akkus, so dass sich die Analysten fragen, ob die geschätzten Kosten in Höhe von ca. 60 Milliarden Yen überhaupt ausreichend sind. Gleichzeitig muss man die Gewinnerwartungen der nächsten Jahre in Frage stellen, da Sony aufgrund der Rückrufaktion Marktanteile verloren hat. Nicht nur der Imageschaden für die Japaner ist hierfür verantwortlich, sondern auch die Tatsache, dass Sony wegen der großen Zahl der zu ersetzenden Akkus keine Akkus für neue PCs liefern konnte. Wie Sony eingestehen musste, verfügt der Konzern nicht über ausreichend Fertigungskapazität, um sowohl die Ersatzbatterien für den Rückruf als auch die Batterien für neue PCs gleichzeitig zu produzieren. Große PC-Hersteller, wie Dell und Apple, haben schon den Lieferanten gewechselt.

Sehr erfolgreich war der weltweit größte Börsengang der Industrial & Commercial Bank of China. Das Gesamtvolumen der Transaktion beläuft sich auf 21,9 Milliarden US Dollar und bringt die Chinesische Staatsbank aus dem Stand auf Rang fünf der größten Banken der Welt, mit einer Marktkapitalisierung von knapp 147 Milliarden US Dollar. Die ICBC hat 360.000 Mitarbeiter und 18.800 Filialen in China. Ihr Kundenstamm von 150 Millionen Kunden zählt mehr Köpfe als Russland Einwohner hat.
Unsicherheit über die zukünftige Zinspolitik der Bank of Japan brachte die neueste Meldung zur Inflationsrate von Japan. Erneut stiegen die Verbraucherpreise weniger als von den Analysten erhofft und nährten die Befürchtungen, dass die Erholung der japanischen Wirtschaft unsicherer ist als bisher erwartet. Bekämpfen die FED und die EZB die zu hohe Inflation, würden sich die Japaner eine höhere Inflation wünschen, würde sie doch zeigen, dass die Unternehmen nach einer langen Phase der Deflation wieder Preissteigerungen im Inland durchsetzen könnten. Dieses zweite Standbein wird für die japanischen Unternehmen immer wichtiger, da das Abschwächen der US-Wirtschaft die Konzerne härter trifft als die europäischen Konkurrenten, weil der Anteil der Exporte in die USA an den Gesamtexporten wesentlich höher ist.
Dies wird auch in den nächsten Monaten dazu führen, dass die japanischen Aktien stärker auf die US Konjunkturdaten reagieren werden als die europäischen Aktien.

Dow Jones auf höchsten Stand seiner Geschichte

Erstmals in seiner 110-jährigen Geschichte schloss der Dow Jones über der Marke von 12.000 Punkten und konnte im Verlauf des Monats diese wichtige psychologische Marke hinter sich lassen und ein Allzeithoch nach dem anderen erreichen. Die Berichtsaison für das 3. Quartal eröffnete traditionell der weltgrößte Aluminiumhersteller Alcoa. Trotz der gefallenen Aluminiumpreise konnte das Unternehmen seinen Gewinn mit 61 Cent je Aktie gegenüber dem Vorjahresvergleich fast verdoppeln und Alcoa verdiente in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr als in jedem bisherigen Gesamtjahr. Trotz dieses Ergebnisses zeigten sich die Analysten enttäuscht, da sie von anhaltend hohen Rohstoffpreisen in ihren Prognosen ausgegangen waren und damit das erzielte Ergebnis unter den erwarteten 78 Cent pro Aktie lag. Die Erwartungen übertreffen konnten McDonald´s, Yum Brands und PepsiCo. Während Yum Brands, Muttergesellschaft von Kentucky Fried Chicken und Pizza Hut, einen Gewinnanstieg von 20% meldete, überraschte Pepsi die Analysten mit einem Gewinnsprung von 71 Prozent. Auch der amerikanische Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson wächst in allen Sparten und erzielte im dritten Quartal weltweit solide Geschäftsergebnisse. Bei einem Umsatzanstieg von 7,9% im dritten Quartal des Geschäftsjahres konnte der Quartalsgewinn sogar um 8,7% gesteigert werden. Bei den positiven Ergebnissen wollte anscheinend IBM nicht fehlen und meldete, dass der Gewinn des Unternehmens im dritten Quartal um 43% gestiegen ist. Auch im Finanzsektor lagen die Ergebnisse über den Erwartungen, wie beispielsweise das Ergebnis von JP Morgan Chase zeigte. Zu den Unternehmen, die die Erwartungen übertrafen, reihten sich im Verlauf des Monats unter anderem Mattel, AT&T, Coca Cola, Google, 3M, Microsoft und Merck ein. Insgesamt übertrafen bisher in der laufenden Berichtssaison über 70% der Unternehmen die Erwartungen der Analysten und es zeichnet sich ab, dass die US Unternehmen das 13. Mal in Folge im zweistelligen Bereich zulegen werden.
Auch bei den Konjunkturdaten konnte man im Oktober eine Entspannung erkennen. Erwartungsgemäß ließ die FED den Leitzins unverändert. Der monatliche Konjunkturbericht der FED, das Beige Book, sorgte für ein deutlich verbessertes Bild der US Wirtschaft. In vier der zwölf Fed-Bezirke konnte das Wachstum zulegen, während zwei Bezirke eine leichte Abschwächung meldeten. In einigen Bereichen habe es Engpässe auf dem Arbeitsmarkt gegeben und sogar einen Mangel an Facharbeitern. Trotzdem haben sich die Löhne nur moderat nach oben bewegt, so dass hieraus kein Inflationsdruck zu erwarten ist. Gleichzeitig stiegen die Konsumausgaben. Lediglich bei Autokäufen sowie bei Ausgaben für Wohnungseinrichtungen hielten sich die Verbraucher zurück. Insgesamt stärkte das überraschend besser als erwartet ausgefallene Beige Book die Annahme, dass der US-Wirtschaft das so genannte "soft-landing" gelingen wird. Die veröffentlichten Protokolle der letzten FED Sitzung lassen wie schon in den vergangenen Monaten die weitere Zinsentwicklung etwas im Unklaren. Die FED hält sich weitere Zinsschritte bei einem Anstieg der Inflation offen, betonte jedoch in ihren Aussagen, dass sie davon ausgeht, dass sich der Inflationsdruck mit der Zeit weiter abschwächt. Dies deutet zumindest an, dass die FED erstmal keine weiteren Zinssteigerungen plant.

Ifo-Geschäftsklimaindex überrascht erneut die Analysten

Getragen von meist guten Unternehmensergebnissen sowie rückläufigen Rohstoffpreisen stieg der DAX im Laufe des Oktobers nachhaltig über die Marke von 6.200 Punkten. Einen zusätzlichen Impuls gab der erneut unerwartet gestiegene ifo-Geschäfts-klimaindex. Der ifo-Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung kletterte im Vergleich zum Vormonat von 104,9 auf 105,3 Punkte. Insbesondere der Erwartungsindex überraschte die Analysten mit einem Anstieg, sahen doch die Unternehmen in den vergangenen Monaten ihre Aussichten eher verhalten. Während der ZEW-Index weiter gefallen war, zeigt sich nun, dass die Unternehmen mehrheitlich glauben, dass die Mehrwertsteuererhöhung die Umsätze zwar belasten wird, jedoch sehen sie die Auswirkungen bei weitem nicht so negativ wie die für den ZEW-Index befragten Analysten und institutionellen Investoren.

Auch der deutsche Mittelstand zeigt sich unbeeindruckt von der Mehrwertsteuererhöhung und schuf im Verlauf des Jahres ca. 120.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Laut einer Umfrage unter 4000 mittelständischen Betrieben beurteilten immerhin 43% ihre aktuelle Lage als gut oder sehr gut und blicken bei gestiegenen Umsätzen auch optimistisch in die Zukunft. Die Konjunkturerholung wirkt sich nun auch auf den Arbeitsmarkt aus. 28% der befragten Unternehmen haben ihr Personal in dem vergangenen halben Jahr bereits aufgestockt und weitere 14% planen demnächst zusätzliche Einstellungen. Als Jobmotoren zeigten sich hier insbesondere Dienstleister, der Handel und der Maschinenbau. Dies nährt die Hoffnung, dass die Arbeitslosigkeit in 2007 dauerhaft unter vier Millionen liegen werde und die privaten Haushalte auch im nächsten Jahr weiter konsumieren und somit die Binnenkonjunktur stützen. Auch die Exportzahlen der deutschen Wirtschaft sorgten für gute Stimmung. Mit einem Plus von knapp zehn Prozent hat die deutsche Wirtschaft auch im August ihren Wachstumskurs fortgesetzt. Insbesondere die Ausfuhren in die EU-Staaten sind wie schon in den Vormonaten erneut überdurchschnittlich um 11,5 Prozent gewachsen und zeigen, dass Deutschland wie kein anderes Land vom europäischen Binnenmarkt profitiert. Beachtliche 61% der deutschen Exporte gehen mittlerweile in die EU-Staaten und machen die deutsche Wirtschaft unanfälliger gegen eine eventuelle Abschwächung des Wachstums in anderen Regionen.

Neben den Wirtschaftsdaten bewegten Übernahme- und Fusionsfantasien auch im Oktober wieder die Kurse. Bei der Deutsche Börse AG wird weiterhin über eine Fusion mit der amerikanischen Terminbörse Chicago Mercantile Exchange spekuliert, was den Titel im Verlauf des Monats um 7,5 Prozent ansteigen lies. Auch die Aktie der Deutschen Telekom konnte von Übernahmespekulationen durch die Britische Telekom und der Beteiligungsgesellschaft Blackstone profitieren und stieg im Verlauf des Monats um ca. 6%. Für ein Kaufinteresse von Blackstone spricht, dass Blackstone sich bisher nicht an Unternehmen beteiligte, sondern diese immer komplett übernahm. Auch der russische Erdgaskonzern Gazprom ist auf Einkaufstour in Deutschland. Medienberichten zufolge will Gazprom bei deutschen Energiekonzernen Fuß fassen. Insbesondere will der russische Erdgaskonzern bei RWE einsteigen und nutzt die Gelegenheit, dass zahlreiche Kommunen, die bisher rund 30% der Aktien halten, ihre Anteile zu Geld machen wollen. Beim Mischkonzern RAG (ehemals Ruhrkohle) plant Gazprom sich im Zuge des im Frühjahr geplanten Börsengangs zu beteiligen, um sich so den Einstieg in den Haushaltskunden-Markt zu eröffnen. Dies erklärt auch den überraschenden Einstieg von Gazprom bei dem Fußballbundesligist Schalke 04 als Hauptsponsor mit dem Ziel, die Markenbekanntheit in Deutschland und Europa weiter auszubauen. Im Automobilsektor geht der Streit um den LKW-Konzern Scania in die nächste Runde. Während MAN den schwedischen LKW-Hersteller weiterhin übernehmen will, ist VW an einem eigenständigen LKW Konzern interessiert, der sich aus der Nutzfahrzeugsparte von MAN, Scania und der VW Sparte für schwere LKW in Brasilien zusammensetzen soll. Um dieses Ziel zu erreichen, kaufte VW 15% der MAN Aktien und hat beim Bundeskartellamt Pläne für eine Aufstockung des Konzernanteils am Münchner LKW-Hersteller MAN von bis zu 30% angemeldet. Gleichzeitig kaufte MAN für etwa 900 Mio. Euro Aktien von Scania und hält nun rund 14% der Scania Stimmrechte und erhöhte das bisherige Übernahmeangebot für Scania von 9,6 auf 10.3 Mrd. Euro. Der Scania-Aufsichtsrat lehnte auch dieses Angebot ab und bezeichnete die Offerte als feindliches Angebot. Scania Großaktionär Investor, eine Beteiligungsholding der schwedischen Industriellenfamilie Wallberg, schloss daraufhin ein Gegenangebot Scanias zum Kauf von MAN nicht aus. Mit einer Allianz von MAN, Scania und Volkswagen entstünde der größte europäische LKW-Hersteller.

Der Autohersteller Audi hat seine geplanten Investitionen in Ungarn auf Eis gelegt und reagiert damit auf die eingeführte Solidaritätssteuer in Ungarn. Die Regierung in Budapest hatte Audi zuvor eine Steuerbefreiung bis 2011 garantiert, woraufhin Audi mehr als 3 Mrd. Euro in Ungarn investierte. Der Autohersteller ist der größte Exporteur in Ungarn und beschäftigt 5200 Mitarbeiter. Bereits seit September sei die Solidaritätssteuer in Höhe von vier Prozent fällig, sagte der Geschäftsführer von Audi Hungary Thomas Faustmann, wobei die Höhe der Steuer irrelevant wäre. Es stellt sich vielmehr die Frage, was Zusagen der Regierung wert seien. Den weiteren Zuzug von Unternehmen, die sich über die Steuer- und Abgabenlast in ihren Heimatländern beschweren, wird dies sicherlich nicht fördern, stellt dieser Wortbruch doch alle Kalkulationen von geplanten Investitionen in Frage.