Donnerstag, Januar 18, 2007

Machtwechsel in Turkmenistan und warum das wichtig ist

Ein weiteres politisches Risiko entstand in Turkmenistan durch den Tod des langjährigen Alleinherrschers Saparmurad Nijasow. Nun kann man sich fragen wo dieser Staat überhaupt liegt und warum der Kapitalmarkt sich überhaupt damit beschäftigt. Der zentralasiatische Staat ist der sechstgrößte Erdgasproduzent der Erde und verfügt über beträchtliche Reserven. Bei der Lösung des Gasstreits Russlands mit der Ukraine spielte Turkmenistan eine entscheidende Rolle. Billiges turkmenisches Gas, das durch russische Leitungen nach Westen gelangt, deckt nun den größten Teil des ukrainischen Verbrauchs. Russlands staatlicher Energieriese Gasprom, dem nach Auffassung von Experten in wenigen Jahren Nachschubprobleme drohen, füllt schon jetzt die Lücken mit turkmenischem Gas. Die Europäische Union ist hingegen an einer Diversifizierung ihrer Energieversorgung interessiert. Ein Turkmenistan, das nicht mehr von dem Despoten Nijasow regiert wird, könnte bei dieser Zielsetzung eine entscheidende Rolle spielen. Seit langem gibt es Überlegungen, die turkmenischen Reserven über Pipelines, die Russland umgehen, an den Westen anzubinden. Chancen und Risiken stehen sich nach dem Tod des Diktators also gegenüber. Zieht die Unsicherheit eine ganze Reihe von Ländern in der Region in Mitleidenschaft oder folgt ein halbwegs berechenbarer Gesprächspartner, womit der EU bereits halbwegs geholfen wäre. Zugleich liefert die Nervosität einen Vorgeschmack auf das Jahr 2008, wenn die Machtübergabe in Russland ansteht.