Nicht nur, dass positive Nachrichten weitgehend verdrängt werden, gleichzeitig werden die Aussagen der Unternehmen übertrieben negativ interpretiert. Die Nachricht, dass Siemens mit einer Ergebnisbelastung im zweiten Quartal rechnet, wurde von den Marktteilnehmern aufgenommen als hätte der Konzern Verlust im gesamten Geschäftsjahr generiert. Innerhalb kurzer Zeit fiel die Aktie von Siemens um fast 20%. Wohl gemerkt, Siemens verdient weniger und hat keine Verluste gemacht. Ähnlich ging es der Deutschen Bank. Der Hinweis des Vorstandes der Deutschen Bank, dass die anhaltende Finanzkrise eine Gefahr für die Ergebnisprognose 2008 darstellt, wurde von vielen Marktteilnehmern sofort als Gewinnwarnung interpretiert. Unbeachtet blieb erneut, dass der Analystenkonsens bereits fast 20% weniger Gewinn prognostizierte als die Bank. Selbst bei der niedrigeren Schätzung verdient die Deutsche Bank 6,8 Mrd. Euro vor Steuern. Dies würde in etwa einem Gewinn pro Aktie von 8 Euro bedeuten. Bei dem derzeitigen Kurs der Deutschen Bank bedeutet dies ein KGV von unter 9 und das bei einer Dividendenrendite von über sechs Prozent. Mit Blick auf die fundamentalen Werte bietet die Deutsche Bank demnach ein gutes Bild und es bleibt abzuwarten ob die konservativen Ergebnisprognosen der Analysten gerechtfertigt sind. Dies gilt übrigens für fast alle Werte im Dax. Mit dem Start der Berichtsaison für das erste Quartal 2008 wird es wohl die eine oder andere positive Überraschung geben und so mancher Anleger wird sich fragen, ob er die Situation nicht zu negativ einschätzt.


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