Weltweit sind die Finanzplätze zwischen Konjunkturängsten und Versorgungsängsten hin- und hergerissen. Wie stark sich die durch die US-Immobilienkrise ausgelösten Turbulenzen letztlich auf die Weltkonjunktur auswirken kann man nur vermuten. Ein Abschwächen der Konjunktur dürfte für niedrigere Ölnotierungen sprechen. Gleichzeitig beeinflusst die regionale Verteilung der Öl- und Gasvorkommen, die in politisch brisanten Ländern wie dem Irak, Iran, Venezuela oder Russland liegen, immer wieder den Ölpreis. Mit Zunahme der politischen Risiken steigen die Notierungen für Öl und sorgten dafür, dass sich die viel beobachtete Sorte WTI der 100 US$ Marke empfindlich näherte. Mit steigenden Ölpreisen nimmt die Sorge zu, dass das Wachstum der Weltwirtschaft abgewürgt wird. Zwar ist das Risiko für die Konjunktur nicht unerheblich, da sich jedoch seit der letzten Ölkrise einiges geändert hat, sollte man nicht in Panik verfallen. Im Gegensatz zu der letzten Ölkrise, als die Ölscheichs den Hahn zugedreht hatten, ist der derzeitige Preisanstieg konjunkturbedingt. Es handelt sich nicht um einen plötzlichen Angebotsschock, sondern um das Ergebnis eines langfristigen Trends. Inflationsbereinigt kostete das Barrel Öl in derzeitigen Dollarpreisen schon Anfang der 80er über 100 US$ und belastete die Wirtschaft stärker als heute. Trotzdem schaffte es die Wirtschaft zu wachsen. Nicht unterbewerten sollte man, dass die Ölabhängigkeit der Industrieländer in den vergangenen Jahren deutlich geringer wurde.

Dies soll jedoch nicht heißen, dass der gestiegene Ölpreis keine konjunkturellen Spuren hinterlässt. Fehlende Kaufkraft, die verstärkt von den Industrieländern zu den ölexportierenden Ländern fließt, dämpft den Konsum in den ölimportierenden Ländern. Dem steht allerdings eine steigende Nachfrage der Ölförderstaaten gegenüber. In den nächsten Monaten rechnen Analysten mit einem Rückgang der Notierungen an die 90 US$ Marke, da die Versorgungsängste sukzessive nachlassen dürften. Wohin der Trend langfristig geht, da scheiden sich die Geister. Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Weltkonjunktur den Ölpreis bestimmt und nicht umgekehrt.


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