Bisher wurde der rasante Anstieg des Ölpreises einhellig mit dem gestiegenen Rohstoffhunger der aufstrebenden Schwellenländer begründet. Dass fundamentale Einflüsse einen geringeren Anteil als vermutet an der Preisfindung hatten, zeigen nun die Untersuchung der Interagency Task Force for Commodity Markets (CFTC). Der Untersuchungsausschuss, der von der US Aufsichtbehörde eingesetzt wurde, zeigte den Einfluss spekulativer Marktteilnehmer und sorgte dafür, dass der Ölpreis stark fiel. Um der staatlichen Begrenzung der eingegangenen Engagements zuvor zu kommen, reduzierten viele Hedgefonds und Staatsfonds ihre Engagements im Öl. Wie der Bericht der CFTC zeigte, waren zeitweise fast 81 Prozent der Terminkontrakte auf Erdöl in der Hand von Finanzunternehmen. Ein einziger Marktteilnehmer, die schweizerische Ölhandelsgesellschaft VITOL, hielt im Juni zeitweise 11 Prozent der Ölkontrakte an der New Yorker Ölbörse NYMEX. Dies entspricht 57,7 Millionen Barrel Erdöl. Der Untersuchungsausschuss ermittelt nun gegen dieses Unternehmen wegen des Verdachts der Preismanipulation, da die Beteuerung des Unternehmens, man benötige diese Menge zur Versorgung eigener Kunden, wenig glaubwürdig ist. Immerhin entspricht diese Größenordnung mehr als der doppelten Menge des täglichen Ölverbrauchs der USA und fast 70 Prozent des täglichen weltweiten Verbrauchs. Benötigen die Kunden von VITOL tatsächlich Öl in solchen Mengen, stellt sich die Frage, warum man bisher kaum etwas von diesem Unternehmen gehört hat. Die im Verlaufe der letzten Monate starken Verkäufe legen die Vermutung nahe, dass sich etliche spekulative Marktteilnehmer von ihren Ölkontrakten trennten, um so nicht ebenfalls in das Visier des Kontrollausschusses zu kommen. Galt im Juli bereits eine staatliche Begrenzung der Ölkontrakte für wahrscheinlich, kann sie bei diesem Erkenntnissen als sicher angesehen werden. Trotzdem sollte man nicht nachhaltig von einem fallenden Ölpreis ausgehen. Die Weltwirtschaft wächst weiter und daher bleibt die Nachfrage nach dem schwarzen Gold weiterhin hoch. Eine erneute Explosion des Ölpreises ist allerdings, trotz der bestehenden politischen Risiken, ebenfalls derzeit nicht wahrscheinlich. Welchen Einfluss der Hurrikan Gustav auf den Ölpreis haben wird, ist derzeit noch nicht einschätzbar. Entscheidend werden die tatsächlich eingetretenen Schäden an der Ölinfrastruktur im Golf von Mexiko sein.


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