Die privaten Haushalte in Deutschland verfügen übrigens auch über viel Liquidität. In 2004 haben die Sparbemühungen der Deutschen und steigende Aktien- wie Anleihemärkte zu einem Geldvermögen von 4,1 Billionen Euro geführt (2003: 3,9 Billionen Euro). Deutsche Bundesbürger sparen im Durchschnitt fast 11 Prozent ihre verfügbaren Einkommens. Trotz niedriger Zinsen bleiben Deutsche demnach begeisterte Sparer. Volkswirtschaftlich wäre allerdings zu wünschen, dass die Deutschen mehr einkaufen gehen. Das würde die Binnenkonjunktur ankurbeln.
Das historische Zinstief in Europa sollte nach Einschätzung der meisten volkswirtschaftlichen Abteilungen auch im ersten Halbjahr 2005 Bestand haben. Als Hauptgrund werden verhaltene Wachstumsaussichten für die Eurozone und eine Inflationserwartung um 2 Prozent genannt. Somit hat die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main keinen triftigen Grund, den Refinanzierungssatz von derzeit 2 Prozent anzuheben. Glaubt man der Mehrheit der Zinsstrategen, dann sollten Zinssenkungen auch keine Rolle spielen. Lediglich eine bedeutende Wall Street Adresse prognostiziert einen Zinsschritt von 50 Basispunkten (0,5 Prozent) nach unten. Ausgangspunkt der Überlegung für fallende Zentralbankzinsen in der Eurozone ist gemäß der Experten von Goldman Sachs ein starker Anstieg des Euros gegenüber dem Dollar in 2005. Die EZB könne hierauf mit einem geringeren Refinanzierungszins reagieren, was die Anlagewährung Euro uninteressant machen würde. Ein fester Euro schmälert die Chancen der europäischen Exportindustrie und hindert die europäische Konjunktur.


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