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Finanzen Geldanlage Dollar rutscht immer weiter ab
Dezember 1, 2004 | Leave a Comment
Der Notenbankpräsident der USA Alan Greenspan fand auf einem Finanzkongress in Frankfurt für einen Währungshüter äußerst deutliche Worte: Das unbestreitbar hohe Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz würde zu einer geringeren Nachfrage nach US-Dollar führen und damit den Greenback unter Druck bringen. Wann und in welchem Umfang dies geschehe, wisse er nicht und fügte hinzu: “Wechselkursprognosen haben keine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit als Prognosen über das Ergebnis eines Münzwurfs.” Notenbanker reden gern in Notenbankchinesisch. Das gehört zu ihrem Job. Trotzdem sollte man als Anleger versuchen zu deuten, was der weltweit mächtigste Banker zu sagen hat.
Grundsätzlich würden wir Europäer uns einerseits einen festen Dollar wünschen, weil europäische Exporteure auf den internationalen Warenmärkten wettbewerbsfähiger wären. Fällt der Euro gegenüber dem Dollar oder Yen, sind unter gleichen Bedingungen europäische Produkte bei gleicher Qualität günstiger für ausländische Importeure. Andererseits hat der gestiegene Euro augenblicklich auch einen Vorteil: Er hält die Inflation in Zaum. Da Rohöl in Dollar gehandelt wird, und der Euro wie der Rohölpreis gestiegen sind, fällt für Eurozonen-Bürger der Anstieg der Ölpreise weniger stark aus als wie für US-Amerikaner. Bei Währungsbewegungen an den internationalen Finanzmärkten gibt es also immer einen Gewinner oder Verlierer, denn der Außenwert einer Währung bestimmt unter anderem die Konkurrenzfähigkeit einer Volkswirtschaft auf den internationalen Gütermärkten. Wer bestimmt nun die Wechselkurse?
Das Austauschverhältnis zweier Währungen wird durch die globalen Kapitalströme bestimmt. Das Kapital fließt vereinfacht gesagt dorthin, wo seine Investments die höchsten Renditen bringt. In den letzten Jahren ist viel Geld in die USA geflossen, weil hohes Wirtschaftswachstum für eine gute Verzinsung der Anlagen gesorgt hat. Mit dem Platzen der Spekulationsblase und dem Irak-Krieg hat die Geldpolitik die Zinsen gesenkt und die Fiskalpolitik durch Ausgabenprogramme und Steuererleichterungen die Nachfrage stimuliert. Diese Steuersenkungen und staatlichen Ausgaben wurden durch ein Haushaltsdefizit finanziert. Gleichzeitig importieren die USA jeden Monat mehr als sie exportieren, was den Rest der Welt freut. Das ist das zweite Defizit: Das Leistungsbilanzdefizit. Die ins Land importierten Waren werden durch einen Zahlungsbilanzüberschuss finanziert. Das ist der Kapitalstrom, der in die USA fließt. Hier tauschen die japanischen und europäischen Exporteure ihre für die Waren eingenommenen Dollar – vereinfacht gesagt – in auf Dollar lautende Aktien, Anleihen oder Unternehmensbeteiligungen ein. Das für die Importe ausgegebene Geld fließt sozusagen zurück und wird investiv angelegt. Noch komplizierter wird der Zusammenhang, wenn zum Beispiel asiatische Zentralbanken ihre aus Dollarstützungskäufen eingenommen Devisen in den USA in Staatsanleihen anlegen. Globale Kapitalströme werden somit von vielen Faktoren bestimmt.
Der Anstieg des Euros gegenüber dem Dollar ist auf das Phänomen zurückzuführen, dass internationale Investoren nicht mehr größtenteils ihr Geld in den USA anlegen. Die beiden Defizite in der amerikanischen Volkswirtschaft lassen Anleger ihre Bestände diversifizieren. Die Alternative zum Dollar sind der Euro oder der japanische Yen.
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