Die europäischen Aktienmärkte haben im November, nach der Konsolidierung im Oktober, wieder Kursgewinne verzeichnet. Der Dax näherte sich kontinuierlich der 5.200 Punktemarke, um auch diese Hürde Ende November eindrucksvoll zu überspringen. Mit einem Monatsplus von über 6% befinden wir uns mitten in der erwarteten Jahresendrallye. Auch die kurzfristigen Störfaktoren, wie der Koalitionsvertrag und die nun angekündigte Zinserhöhung der EZB, beeinflussen den Dax nicht nachhaltig. Nach der anfänglichen Aufregung nach Bekanntwerden der Inhalte des Koalitionsvertrags kehrte nach genauerer Betrachtung etwas Ruhe in den Markt zurück. Die von der Koalition, unter anderem, geplante Einführung einer Steuer auf Veräußerungsgewinne lässt viele Fragen offen. Weder ist klar, ab wann die Steuer greifen soll, noch ist absehbar, wie die Regelung im Einzelnen aussehen soll. Im Koalitionsvertrag findet sich nur der Hinweis, dass eine Besteuerung in dieser Legislaturperiode angestrebt wird. Eine 20% Abgeltungssteuer wird zwar im Zusammenhang mit der Unternehmenssteuerreform, die für 2008 geplant ist, genannt, offenbar strebt die neue Regierung jedoch bereits den 1. Januar 2007 als Stichtag an. Doch schon hier sehen die Steuerexperten die ersten Schwierigkeiten. Sind alle Veräußerungsgewinne ab diesem Datum steuerpflichtig oder sind nur Vermögensgegenstände betroffen, die ab diesem Datum erworben werden? Im ersten Fall würden Anleger vor diesem Stichtag Gewinne realisieren und das Geld sofort wieder anlegen. Im zweiten Fall liegt die Vermutung nahe, dass es vor dem Stichtag zu einer steuerlich motivierten Kaufwelle kommt.
Auch wird es interessant sein zu sehen, wie die neue Regierung die eventuelle Stichtagsbewertung des zweiten Falls vornehmen will. Da bei der geplanten Besteuerung nicht nur Wertpapiere sondern alle privaten Vermögenswerte betroffen sind, stellen sich eine Reihe von interessanten Fragen. Wie sollen Immobilien zu dem Stichtag bewertet werden? Wie werden bei Immobilien eventuell getätigte Investitionen bewertet? Wie bewertet man Immobilienfonds? Oder, wie bewertet man sonstige Vermögenswerte wie Kunstgegenstände und Briefmarkensammlungen? Wie wird die Steuer eingezogen? Festzuhalten bleibt, dass die geplante Pauschale in Höhe von 20% nur knapp über den Einstiegssteuersatz und unter der Besteuerung einiger Nachbarländer.
Die hier aufgeworfenen Fragen zeigen, dass auf die Regierung noch eine Menge Arbeit zukommt und es bleibt spannend, wie die Große Koalition mit den unterschiedlichen Lagern mit diesen Fragen umgeht. Keine der aufgeworfenen Fragen kann derzeit beantwortet werden, weshalb die Marktteilnehmer auch sehr gelassen auf die Ankündigung reagierten. Wir werden Sie an dieser Stelle natürlich auf dem Laufenden halten.


Benutzer, die diese Seite fanden, suchten auch nach:

  • No search results for this post yet...

Ähnliche Artikel