Die Stimmung für Aktieninvestments ist bei professionellen Investoren (Investmentfonds, Pensionskassen, Versicherungen) und Privatanlegern verhalten bis pessimistisch. Das besagen die globalen Umfragen großer US-amerikanischer Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften. Viele Aktienfondsmanager halten hohe Barquoten (Anteil der Fondsvermögens, das nicht in Aktien investiert ist). Sie hoffen auf fallende Kurse, um billiger als heute Aktien zu kaufen.

Auf Pessimismus an den US-Märkten weist zudem der Terminmarkt hin. Über Aktienoptionen können Anleger hier ihre bestehenden Positionen absichern (Put-Optionen). Erwartet ein Investor in den kommenden Monaten fallende Kurse, möchte aber heute seine Aktien nicht verkaufen, erwirbt er einfach eine Verkaufsoption (Put-Option) und behält seine Aktien. Eine solche Verkaufsoption gibt dem Investor das Recht, in zum Beispiel sechs Monaten seine Aktien zu einem durch die Option vereinbarten festen Preis zu verkaufen. Dieses Recht kostet ihn den Optionspreis (Prämie). Eine Option ist für den Aktieninvestor eine Art Versicherung. Egal ob die Kurse steigen oder fallen, er kann bis zu dem festgelegten Datum seine Aktien für einen vereinbarten Preis verkaufen. Natürlich erwirbt ein Investor nur dann eine Verkaufsoption, wenn er das Risiko als hoch einschätzt, dass die Kurse in den nächsten Monaten fallen werden. Die Motivation für Absicherungen (Optionen) ist immer dieselbe: Es ist die Furcht vor fallenden Kursen.
Marktanalysten studieren die Statistiken an den Optionsmärkten und versuchen an den Ergebnissen abzuleiten, ob die Marktteilnehmer steigende oder fallende Kurse erwarten. Verkaufsoptionen weisen auf eine negative Markterwartung hin und Kaufoptionen signalisieren eine positive Haltung der Akteure. In den letzten Monaten haben Anleger mehr Verkaufs- als Kaufoptionen am US-Terminmarkt erworben. Damit zeigt das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen an, dass Marktteilnehmer negativ gestimmt sind. Auch die negativen Presseberichte und Börsengänge mit Preisabschlägen deuten auf weit verbreitete Skepsis an den Aktienmärkten hin. Warum also nun Aktien kaufen, wenn alle pessimistisch sind?

Anhänger der Stimmungstheorie achten auf die oben genannten Faktoren. Sie kaufen dann Aktien, wenn sie niemand haben möchte (Contrariens). Ob die Zeit schon gekommen ist, weiß niemand. Manche Stimmungsinvestoren sind die Meldungen aus der Wirtschaft noch zu rosig und die Schätzungen für die Unternehmensgewinne für das vierte Quartal 2004 zu euphorisch. Sie warten auf schwächere Märkte. Andere Anlageexperten interpretieren die oben angeführten Stimmungsdaten und Statistiken als guten Ausgangspunkt für das Börsenjahr 2005 und raten schon heute zum Einstieg.

Bleibt in den USA das Beschäftigungswachstum weiterhin nur moderat und zeigen sich die Konsumenten zurückhaltend, kann es an den US-Börsen zu rückläufigen Kursen kommen. Da die US-Aktienmärkte eine Signalwirkung für die weltweiten Börsen haben, könnte ein volatiles viertes Quartal vor den Anlegern liegen. Das zumindest signalisieren die US-Anleihemärkte. Sie folgen nicht der optimistischen Einschätzung des Präsidenten der US-amerikanischen Notenbank. Auch könnten die ambitionierten Gewinnschätzungen für das vierte Quartal zu hoch sein. Mitte bis Ende Oktober werden zudem die Zahlen für das dritte Quartal vorliegen. Gestiegene Rohstoffpreise und eine schwächere Konsumnachfrage könnten Spuren in den Umsatz- und Gewinnzahlen hinterlassen haben.


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