Die geopolitischen und konjunkturellen Unwägbarkeiten verhindern, dass leicht positive volkswirtschaftliche Daten und über den Erwartungen liegende Unternehmensergebnisse auf die Aktienkurse durchschlagen. Die Unsicherheit hält Verbraucher vom Konsumieren, Unternehmer vom Investieren und Finanzmarktteilnehmer vom Spekulieren mit Aktien ab. Die Unsicherheit an den Märkten wird im Umfeld eines drohenden Irak-Krieges weiterhin bestehen bleiben. Voraussetzung für eine kurzfristige spürbare Erholung an den Aktienmärkten ist eine friedliche oder schnelle militärische Lösung des Irak-Konflikts.

Der Risikozuschlag für Aktien ist historisch relativ hoch. Zinsmärkte preisen konstante oder fallende Zinsen ein. Sollten Anleihenkurse vor dem Hintergrund eines erfolgreichen schnellen Krieges im Nahen Osten fallen (und damit als sicherer Anlagehafen ausgedient haben), rechnen wir mit ansteigenden Zinsen Dies gilt um so mehr, als dass die Ausweitung des amerikanischen Haushaltsdefizits mittelfristig zu steigenden Zinsen an den Kapitalmärkten führen sollte. Zur Erinnerung: Präsident Bush finanziert sein milliardenschweres Konjunkturprogramm von Steuererleichterungen für Gutsituierte in den nächsten Jahren auf Pump. Der amerikanische Staat wird verstärkt als Gläubiger an den Finanzmärkten erscheinen und Staatsanleihen emittieren. Für die verstärkte Nachfrage nach Geld wird der Staat mehr Zinsen als heute bieten müssen. Die Konsequenz sind mittelfristig steigende Zinsen. Auch die europäischen Länder kämpfen mit hohen Haushaltsdefiziten und einer steigenden Staatsverschuldung, was ebenso in Europa mittel- bis langfristig zu steigende Zinsen führen sollte. Kurzfristig halten wir dennoch in Europa Zinssenkungsspekulationen für möglich. Sollten die großen europäischen Kernstaaten Deutschland und Frankreich richtungsweisende Reformen auf die Wege bringen und die europäische Konjunktur im Gegensatz zu den USA noch keinen Tritt gefasst haben, könnte die Europäische Zentralbank nochmals die Zinsen senken. Allerdings ist es fraglich, ob Deutsche oder Franzosen in der Lage sind, ihre Sozialsysteme und Arbeitsmärkte wachstumsfördernd zu reformieren.


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