Dieses Szenario sieht vor allem die Inflationsgefahren, welche zu fallenden Kursen und steigenden Zinsen an den Rentenmärkten führen sollte. Marktteilnehmern versuchen, bevorstehende inflationseindämmende Zinsschritte der Geldpolitik einzupreisen. Das zweite Szenario betont die wachstumshemmenden Auswirkungen der haussierenden Rohstoffe. Hohe Benzinpreise wirken zum Beispiel dämpfend auf die Binnenkonjunktur. Bremsen die gestiegenen Energiepreise die Konjunktur, so argumentieren die Zinsbären, dann sollten die Renditen an den Kapitalmärkten nicht anziehen. Eine schwächere konjunkturelle Entwicklung spricht in diesem Szenario gegen Zinssteigerungen seitens der Europäischen Zentralbank. In diesem Marktumfeld sollten die Kapitalmarktrenditen zumindest unterstützt bleiben.
An den Märkten wurde die Aufweichung des Stabilitätspakts wenig beachtet. Weder an den Zins- nach an den Währungsmärkten kam es zu heftigen Ausschlägen, weil Händler die bevorstehenden Veränderungen erwarteten. Was ist passiert? Die EU-Finanzminister haben sich neue Regeln für die Beurteilungen ihrer Staatshaushalte gegeben. Kritiker sehen in den erneuerten Vorschriften mittel- bis langfristig Potential für steigende Zinsen im Euroraum. Länder mit starken Haushaltsdefiziten und einer hohen gesamtwirtschaftlichen Verschuldung drohten in Zukunft höhere Zinsen für ihre Staatsschulden, so Volkswirte. So notieren zum Beispiel schon heute griechische Staatsanleihen mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent gegenüber deutschen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Nach der Theorie sollte der gelockerte Stabilitätspakt zu einem schwächeren Euro und steigenden Kapitalmarktrenditen in der Eurozone führen.


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