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Russland: Politik, Macht und Öl
Juli 1, 2004 | Leave a Comment
Russland hat in den letzten Wochen einen festen Platz in der Wirtschaftspresse eingenommen. Die russische Justiz und die Steuerbehörden fordern vom börsennotierten Ölkonzern Yukos Steuernachzahlungen von mehreren Milliarden US-Dollar. Diese Forderungen könnten den größten osteuropäischen Erdölexporteur in die Zahlungsunfähigkeit (Insolvenz) treiben. Der Regierungsapparat und damit der russische Präsident Putin stehen hinter den Steuernachforderungen. Sie wollen dem Mehrheitsaktionär von Yukos eine politische Lektion erteilt. In den 90er Jahren kamen in Russland Menschen zu unermesslichem Reichtum, indem sie zu privatisierende Staatsunternehmen aufgekauft haben. Diese wirtschaftliche Klasse hat sich bis heute mit der Politik arrangiert oder ihr Heil im Ausland gesucht. Nur einer der sogenannten Oligarchen (wirtschaftlich mächtiger Russe) hat politische Ambitionen gezeigt. Er ist der größte Aktionär von Yukos und sitzt seit einem Jahr wegen Betrugs im Gefängnis. Die mit der Justiz eng verbundene Politik zeigt der wirtschaftlichen Elite, dass sie sich entweder aus der Politik raushält oder ihren Besitz abgenommen bekommt (Verstaatlichung). Kann Yukos die Steuern nicht zahlen, fällt ein Großteil des Firmenvermögens an den Staat. Das ist eine Lektion, wie Kapitalismus und Eigentumsrechte in der ehemaligen Sowjetunion funktionieren. Das Signal an ausländische Investoren ist auch klar: Entweder ihr akzeptiert unsere Regeln oder wir kommen nicht ins Geschäft. Die Industriestaaten haben großes Interesse an dem Land mit den zweitgrößten Erdölvorkommen der Welt. Grundsätzlich ist das Steuerverfahren gegen Yukos kein gutes Zeichen für den Einfluss von Anteilseignern an russischen Unternehmen.
Ansteigende Kapitalmarktzinsen irritieren die Aktienmärkte. Zwar realisieren die Börsen weltweit die solide wirtschaftliche Entwicklung, doch werfen sie ein waches Auge auf Zinsentwicklung, Rohstoffpreise und geopolitische Risiken. Wir meinen, dass die Chancen gut stehen, dass die Aktienkurse in den nächsten Monaten steigen. Mit dem Ende des zweiten Quartals 2004 werden Unternehmen eindrucksvoll mit gestiegenen Gewinnen aufwarten können. Auch die wirtschaftlichen Ausblicke der Quartalsberichte sollten Optimismus zeigen.
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