An den osteuropäischen Aktienmärkten ist nicht mehr alles so rosarot wie es einmal war. Die Prozess um den Erdölkonzern Yukos hält nach wie vor an. Die russische Justiz verliest nunmehr seit einigen Wochen täglich den Urteilstext. Investoren sind trotz des relativ niedrigen Niveaus des russischen Aktienmarktes nicht an die Moskauer Börse zurückgekehrt. Auch die Zukunft von Gazprom, Yukos und Rosneft scheint ungewiss. Die politischen Signale sind unterschiedlich und ändern sich wöchentlich. Für die Investoren an den Schwellenländerbörsen ist es wesentlich schwieriger geworden, mit sogenannten Carry Trades Gewinne einzufahren. Bei Carry Trades leiht man sich Geld in einem Markt und legt es in einem anderen Teil der Welt wieder an.
Grundsätzlich hat die Risikofreude von internationalen Spekulanten in den Emerging Markts abgenommen. Einerseits erschwert der Renditeanstieg in den USA seit nunmehr mehreren Monaten Investments in die Wachstumsregionen – sie werden einfach relativ unattraktiver. Andererseits scheinen die äußerst risikoaffinen Spekulanten (Carry Trades) ihre kreditfinanzierten Positionen aufzulösen. Auslöser der Verkäufe dieser Spekulanten waren unter anderem harsche Verluste mit General Motors Schuldtiteln.
Da die Zinsen für Kredite in den USA steigen, erhöht sich für diese Investoren das Risiko. Was haben US-Zinsen mit den Schwellenländerbörsen Warschau oder Budapest zu tun? Globale institutionelle Anleger nehmen einen Kredit in US-Dollar oder Euro auf und tauschen das Geld zum Beispiel in polnische Zloty, um Aktien oder Anleihen an der Warschauer Börse zu kaufen. Solange die Kurse an der polnischen Börse steigen und neues Geld die polnische Währung stützt, streichen diese institutionellen Anleger Kursgewinne ein und können problemlos die Kreditzinsen in US-Dollar zahlen. Die Differenz verbleibt als Gewinn. Fallen dagegen die Aktien- oder Anleihekurse an den osteuropäischen oder südostasiatischen Börsen, kommt es auch meist zu einer Abwertung der Währungen gegenüber dem Euro oder US-Dollar: Das Geld fließt aus dem Land heraus. Irgendwann kommt der Punkt, an dem der Spekulant abwägen muß, ob die Zinsen für den Kredit mit einem vertretbaren Risiko getilgt werden können. Im Zweifel müssen die Positionen aufgelöst werden. Und genau dies ist in den letzten Monaten an den osteuropäischen und südostasiatischen Schwellenländerbörsen geschehen.


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