Nach einer Studie der Weltbank sollte Ostasien in diesem Jahr um mehr als 6 Prozent wachsen. Das ist doppelt so schnell wie der Rest der Welt. China ist mit seiner Importnachfrage treibende Kraft in der Region. Rohstoffe und Vorprodukte für das produzierende Exportgewerbe stehen auf der Einkaufsliste der Chinesen. Der Konjunkturaufschwung in den USA und Japan verstärken diesen Trend. Nach Schätzungen des Weltbank sollte Chinas Wirtschaft auch in 2005 um mehr als 7 Prozent wachsen können. (dieses Jahr rund 8 Prozent und 2003 sogar 9 Prozent). Das Abschwächen der wirtschaftlichen Expansion ist klar erklärtes Ziel der chinesischen Zentralregierung. Die Wirtschaft scheint zu über-hitzen. Eine wirkungsvolle Geldpolitik fehlt China, weil die chinesische Währung Renminbi an den US-Dollar gebunden ist. Damit übernimmt China indirekt die Niedrigzinspolitik der USA, obwohl eine Zinserhöhung in China volkswirtschaftlich geboten wäre. Risiken in der ostasiatischen Wirtschaftsregion liegen erstens in der Dollarbindung des Renminbi, zweitens in einer stärkeren Verlangsamung der chinesischen Konjunktur und drittens in der Abschwächung der Weltkonjunktur. Die Gradwanderung Chinas zwischen starkem Wirtschaftswachstum, möglicher Freigabe des Wechselkursverhältnisses und Gewinnung von Zentralbankautonomie sowie konjunktureller Überhitzung (Blasenbildung) birgt einige Risiken. Die Weltbank schätzt aber, dass China eine sanfte Landung gelingen wird.

Richtig ist, dass steigende Zinsen Anleihen gegenüber Aktien attraktiver machen. Tatsache ist auch, dass Unternehmen und Konsumenten in den USA künftig mehr Zinsen für ihre Kredite zu zahlen haben. Dieses Geld fehlt an anderer Stelle. Die Breite des Aufschwungs (Verbraucher und Industrie als die wichtigsten Komponenten zusammengefasster Nachfrage) sollte diesen negativen Effekt der steigenden Zinsen kompensieren können. In der Vergangenheit haben sich Aktienmärkte vor und nach der ersten Leitzinsanhebung innerhalb eines Zinszyklus gut entwickeln können. Die Freude an den Märkten über eine robuste Konjunktur sollte die negativen Auswirkungen steigender Kapitalmarktzinsen überlagern. Der Daumen für Aktien bleibt im Mai oben. Allerdings werden langfristige europäische Anleihen interessanter.


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