Die japanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal überraschenderweise um 2,4 Prozent gewachsen. Die Investitionen scheinen in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA anzuziehen. Hinzu kommt die Hoffnung auf eine Erholung der US-Wirtschaft. Japan exportiert einen Großteil seiner Produkte in die USA. Zwar sollte die japanische Volkswirtschaft weiterhin unter einem schwachen Finanzsystem leiden. Die Banken sind chronisch unterkapitalisiert. Notleidende und gefährdete Kredite belasten die Bankenbilanzen. Doch ein deutlicher Rückgang von Firmeninsolvenzen im Juli und ein Rückgang der Fremdkapitalquote (Anteil an Krediten am Gesamtkapital) bei japanischen Unternehmen könnten die zerbrechlichen Bankenbilanzen entlasten. Weniger Firmenpleiten sollten die Erträge der Banken steigen lassen.

Vor allem ausländische Investoren kaufen beherzt japanische Aktien. In den letzten 18 Wochen haben internationale Investoren netto mehr japanische Aktien gekauft als verkauft. Der Nikkei-Index hat im August die Schwelle von 10 000 Punkten übertreten. Marktbeobachter und Analysten prognostizieren vor dem Hintergrund einer wachsenden US-Ökonomie einen Anstieg des Indizes auf Jahressicht auf 11 000 bis 12 000 Punkte.

Die Antriebskräfte für Kurssteigerungen an den Aktienmärkten sind stark. Vor allem charttechnische Argumente und Mittelzuflüsse in Aktienfonds sprechen für einen Anstieg der Märkte. Dennoch sollten Anleger den Blick auf Fundamentaldaten nicht verlieren. So schön die neue Zuversicht in einen bevorstehenden Aufschwung auch sein mag, die Erwartungen an den Märkten sind hoch. Allerdings fehlen in den USA wie in Europa die sogenannten gleichlaufenden Indikatoren wie Anstieg der Investitionen oder ein starker Anstieg der Einzelhandelsumsätze. In den USA gilt der Blick vor allem den Arbeitslosenzahlen. Sollte der Aufschwung ohne Einstellungen erfolgen, wird sich das auf das Verbrauchervertrauen niederschlagen. Auch von den deutschen Reformen am Arbeitsmarkt ist kurzfristig (in den nächsten zwölf Monaten) nicht viel zu erwarten. Strukturreformen sind sehr wichtig für Deutschland, wirken aber mittel- und langfristig. Für das erste sollten wir uns jedoch über eine besseren Stimmung als vor sechs Monaten freuen. An der Börse werden Emotionen gehandelt. Nach drei Jahren Grieskrämerei soll es wieder nach oben gehen!


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